Für Sie gelesen

06.11.2016

Körperliche Aktivität in der Schwangerschaft ist gesund und findet oftmals bei weitem nicht in der gewünschten Intensität statt; viele Schwangere bewegen sich weniger als 120 Minuten pro Woche! Dieser Gruppe steht aber auch eine Anzahl an Schwangeren gegenüber, die über ein hohes Trainingsniveau in Sportarten verfügen, die als Risiko-Sportarten gelten.

Die richtige Beratung in Bezug auf Fortführung von Training und eventuell sogar Wettkämpfen spielt in diesem Fall eine wichtige Rolle. Denn selbst wenn eine Frau gut einschätzen kann, wie hoch das Risiko für sie selbst ist, so ist sie doch meist völlig im Unsicheren darüber, ob ihr Sport ein Risiko für ihre Schwangerschaft darstellen könnte und an welchen Parametern sie ein solches Risiko festmachen sollte.

Aber auch Trainer, Sportverbände und Sportärzte verweisen meist darauf, dass die Schwangeren diese Fragen in der Beratung durch ihre Frauenärzte klären sollten. Frauenärzte dagegen beherrschen in aller Regel derartige Risikosportarten nicht oder kaum. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass von der Sportart gänzlich abgeraten wird, was bis auf wenige Ausnahmen aber nicht notwendig ist; oder aber die potentiellen Risiken werden nicht erkannt, sodass die Beratung unvollständig bleibt. Auch wenn es kaum publizierte Studien zu diesen Themen gibt, so lässt sich zusammenfassend festhalten:

Zu den beachtenswerten Punkten gehören die Risiken des Unfalls (wie beim Reiten oder beim Motorsport), gewisser Bewegungsabläufe (wie zum Beispiel Pirouetten und Saltos bei Tanz- und Akrobatik-Sportarten), gefährdende Körperkontakte (wie Kampf- und Mannschaftssport) sowie Höhen- und Druckunterschiede (beim Fallschirmspringen, Tauchen und Bergsteigen) und Belastungen an der Grenze der Erschöpfbarkeit (im Kraftsport und beim leistungssteigernden Training).

Das heißt, dass bei Schwangeren mit ausreichender Kondition genannte Risiken meist nur minimiert werden müssen oder eine Ausübung des Sports nur bis zu einer bestimmten Woche angeraten wird; so empfiehlt die australische Vereinigung der Fallschirmspringerinnen, wegen der Gefahr der Placentaablösung bei abrupten Schirmöffnungen und harter Landung, spätestens ab der 20. Woche diesen Sport nicht weiter auszuüben. Tauchen hingegen ist der einzige Sport, der selbst dann in der Schwangerschaft mit einem Risiko verbunden ist, wenn er korrekt ausgeübt wird. Die Mikroluftbläschen, die sich beim Auftauchen durch den abnehmenden Druck im Blut bilden können, können Luftembolien in der Placenta verursachen. Taucherinnnen haben eine erhöhte Rate an Fehlgeburten. Daraus leitet man ab, dass tiefe Tauchgänge (mehr als 5 m) vermieden werden sollten, wobei diese Empfehlung aber nicht in Studien überprüft wurde. Insgesamt kann gesagt werden, dass unter Beachtung allgemeiner Vorsichtsmaßnahmen viel häufiger auch in der Schwangerschaft Leistungs- und Wettkampfsport möglich ist, als allgemein angenommen - solange die Schwangere darüber informiert ist, dass sie bei jedem persönlichen Zweifel an ihrer eigenen Belastbarkeit den Trainingsaufwand deutlich reduzieren sollte!

(Quelle: Kramarz S. Risikosportarten in der Schwangerschaft. Der Gynäkologe 2016(9), 715-24)


Für weitere Fragen zu diesem spannenden Thema stehe ich gerne in einem persönlichen Beratungsgespräch zur Verfügung.
Ihr Frauenarzt Dr. Rainer Kotzmann

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