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Candida

Der Bazillus ist nichts, das Terrain ist alles.

Candida ist ein Gattungsbegriff für Sprosspilze (Hefen). Die Gattung umfasst zahlreiche Arten, von denen nur ein geringer Teil medizinisch bedeutsam ist. Wichtigste fakultativ pathogene Art ist der Candida albicans. Er ist der häufigste Erreger sogenannter Candida-Mykosen (Soormykosen). Infektionen mit Candida findet man im Bereich der Haut (Handflächen, Brustwarzen, Analbereich), der Schleimhäute (Mund, Rachenraum, Verdauungstrakt, Vagina), bei immunsupprimierten Patienten sind auch tiefe Organmykosen (insbes. der Lunge) möglich.

Lisa Rakos, Hebamme

Die Symptome, die eine Infektion mit Candida albicans in der Vagina verursacht sind Rötung, Schwellung, Juckreiz, Brennen, vermehrter flockiger weißlicher Ausfluss, eventuell weißliche Beläge im Vulvabereich. Nachgewiesen wird Candida in der gynäkologischen Praxis mittels Nativsekret.
Gerade für die Pilze gilt Pasteurs berühmter Satz: der Bazillus ist nichts, das Terrain ist alles. Das vermehrte Auftreten von Candida ist also eine Milieufrage. Pilze lieben es warm, feucht, dunkel und süß. Im durch die Milchsäurebakterien normalerweise leicht sauren Milieu der Scheide gedeihen Pilze kaum. Da in der Schwangerschaft, bedingt durch den steigenden Östrogenspiegel der pH Wert der Scheide weiter im alkalischen Bereich liegt, ist die Häufigkeit von Vaginalmykosen erhöht. Bei 20-35% der Schwangeren kann Candida albicans in der Scheide nachgewiesen werden. Auch die Pille, Antibiotikagaben, Immunschwäche, Diabetes, häufiges Kranksein, zuviel Stress, Hallenbadbesuche und zuckerreiche Ernährung begünstigen die Entstehung von Pilzinfektionen. In nichtschwangerem Zustand finden sich Infektionen bei 10-15% der Frauen.

Behandlung und begleitende Maßnahmen

Die Therapie erfolgt normalerweise mit Antimykotika. Kurzfristig wirken diese sehr gut. Bleibt jedoch das Milieu für Pilze attraktiv, kommt es sehr häufig erneut zur Infektion.
Will frau sich also nachhaltig der Plagegeister entledigen, empfehlen sich folgende (Begleit-)Maßnahmen:

  • keine Intimsprays und alkalische Seifen verwenden
  • keine synthetische Unterwäsche, Strumpfhosen und enge Hosen tragen
  • keine Binden außerhalb der Regel verwenden, lieber öfter die Unterhose wechseln.
  • keine Binden mit Plastikfolie benutzen
  • im Hallenbad bewähren sich in Olivenöl getränkte Tampons, in der Apotheke gibt es auch spezielle Badetampons zu kaufen
  • täglich kaltes Wasser über Vulva und Vagina rinnen lassen
  • viel Luft und Licht an den Genitalbereich kommen lassen (zu Hause unter dem Rock keine Unterhose tragen, Nachthemd statt Pyjama)
    Zuckerkonsum einschränken
  • abends Joghurt in die Scheide einbringen (entweder mit einem Löffel, oder einer vorne abgeschnittenen 20 ml Spritze)
  • Auch die in der Apotheke erhältlichen Vaginalkapseln mit Milchsäurebakterien haben sich bewährt.
  • Koblauchzehe an Bändchen gebunden in die Scheide einführen, nach 8 – 12 Stunden wieder entfernen (empfiehlt sich in der Schwangerschaft wegen der erhöhten Empfindlichkeit der Schleimhäute eher nicht)
  • Gut anitmykotisch wirksame ätherische Öle sind Teebaum, Lavendel, Thymian, Thuja, Salbei und Rose. Es empfehlen sich Sitzbäder mit einem oder mehreren Ölen in Meersalz aufgelöst. Dosierung: ca. 5 Tropfen Öl auf 2 El Meersalz, das ganze in 5l Wasser (lauwarm) gelöst. Badedauer ca. 10 min.
  • Frau kann auch mit den Hydrolaten dieser ätherischen Öle (insbesondere Teebaum, Lavendel und Rose), einzeln oder als Mischung  die Vulva betupften oder besprühen oder das Hydrolat (wieder mittels Spritze) in die Vagina einbringen.
  • Manche Apotheken stellen auf Wunsch auch Vaginalzäpfchen mit den wirksamen ätherischen Ölen her
  • Die Frage der Partnermitbehandlung ist nach neuesten Forschungsergebnissen umstritten. Da die akute Infektion meist schmerzhaft ist, ist aus diesem Grund  Geschlechtsverkehr in dieser Zeit nicht ratsam.
  • Es wäre gut, Infektionen mit Candida albicans vor der Geburt zum Verschwinden zu bringen, da das Baby sonst über die Geburtswege mit Scheidenpilzen in Berührung kommt und dabei eine Infektion erwerben kann. Diese könnte dann in Form von Mundsoor oder Windeldermatitis zu Tage treten.

Grundsätzlich sollte frau sofort auf Beschwerden reagieren und mit der einen oder anderen obigen Maßnahme das Milieu wieder in Ordnung bringen, denn je länger sich Pilze ungestört ausbreiten können, desto schwerer wird frau sie wieder los.

Verwendete Literatur
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 257. Auflage
Lilo Edelmann: Aus der Hebammenpraxis. Knaur 2000
Ingeborg Stadelmann: Die Hebammensprechstunde. Eigenverlag 1999.
Rina Nissim: Naturheilkunde in der Gynäkologie. Orlanda 1998
Susun S. Weed: Naturheilkunde für schwangere Frauen und Säuglinge. Orlanda 2000

Februar 2002, ÖHZ



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