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Die Mutter aller Zweifel (Teil 2)Kinder bekommst Du nicht, die nimmst du dir. Seitdem das so ist, beginnen stets mehr Menschen zu zweifeln. Im Gespräch mit der niederländischen Autorin Mariël Croon.‘Will ich meinen Super-Job, meine Freunde und meine großen Reisen gegen ein plärrendes Häufchen Hilflosigkeit eintauschen?’ In Ihrem Handbuch für Kinderwünscher und Zweifler bewahrheitet die niederländische Journalistin und Hebamme Mariël Croon, dass man sich im Zweifelsfalle besser für ein Kind entscheidet.Übersetzung von Barbara Debusschere in redaktioneller BearbeitungEin Kind borgt sich Deinen Körper aus, kostet Geld, Nachtruhe und Freiheit, ist schlecht für deine Karriere, bringt Gacke, Pisse und Läuse ins Haus, stellt Deine Partnerschaft auf die Probe und erwartet von Dir eine dienende Haltung. Das Leben ohne Kinder ist billiger, übersichtlicher, weniger ermüdend und vor allem sauberer.’ so beginnt Mariël Croon Ihr Buch. Es gibt also wenig rationelle Gründe, sich für ein Kind zu entscheiden. Im Zweifelsfalle für das KindMariël Croon rät doch mit Nachdruck dazu, sich im Zweifelsfalle für ein Kind zu entscheiden. Sie beruft sich hierbei auf klare wissenschaftliche Informationen über Unfruchtbarkeit und schöpft aus persönlichen Erfahrungen von ‘Babyzweiflern’, glücklichen Eltern und kinderlosen ‘Aufschiebern’ voller Gram. Ihr Buch bietet außerdem eine komplette Checkliste mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen für ‘Kinderwünscher’, die sicher und gesund schwanger werden wollen, sowie alle Informationen zur Fruchtbarkeitsbehandlung. Eine englische Forscherin behauptet, dass junge Frauen in den ‘Geburtenstreik’ getreten sind. Sie beginnen gar nicht erst damit, über das Kinderkriegen nachzudenken. Mariël Croon: ‘Ja, das lebt unter den jungen Dreißigern. Aber es ist kein Streik, vielmehr ein langer Entscheidungsprozess. Die meisten zweifeln und bleiben im Zweigel hängen. Das Erstgeburtsalter der Frauen steigt stetig an. Aber das ist nicht verwunderlich, weil es ganz schön schwierig geworden ist. Früher warst du nicht unschlüssig, weil jeder ungefähr mit 24 Jahren aus dem Elternhaus zog, heiratete und eine Familie gründete. Jetzt sind die meisten jungen Frauen ihr halbes Leben damit beschäftigt, eine Schwangerschaft zu vermeiden. Wir wollen so viel als möglich aus dem Leben holen. Es liegt weniger auf der Hand, sein schönes Leben fur ein plärrendes Baby einzutauschen. Aus der Traum vom wilden Leben?Männer, so ist das Ergebnis aus Untersuchungen, haben noch mehr Angst, ihre Freiheit aufzugeben. Meistens sind es die Männer, die eine Schwangerschaft hinauszögern und daraus folgt dann meistens: kein Baby. Ist das denn so schlimm? Vermisst mann wirklich so viel ohne Kinder?‘Ich kenne Menschen die wirklich absolut keine Kinder möchten und damit glücklich sind. Sie sagen wirklich radikal ‘nein, niemals, ich muss nicht daran denken’. Doch diese befinden sich in der Minderheit. Die meisten zweifeln. Und dass sie zweifeln, sagt schon eine ganze Menge. Ich liefere jenen, die in Ihrer Unschlüssigkeit stecken bleiben, gute Argumente. Kinder gebären ist nicht romantisch. Am Anfang ist es harte Arbeit. Aber sie sind es, die aus dir das Schlechteste und das Beste herausholen. Gerade das macht das Leben so intensiv. Unentschlossene haben das Problem, dass sie die Vor- und Nachteile nicht gut gegeneinander abwägen können, weil sie sich nicht vorstellen können, wie es wirklich ist, ein Kind zu haben. Die exklusive, bedingungslose Liebe, die du bekommst, das witzige Entwaffnende, das intime Band zwischen dir und so einem kleinen Wesen ist so überrumpelnd und außergewöhnlich, dass es alle praktischen Nachteile aufwiegt. Zweifelnde glauben das oft deshalb nicht, weil sie merken, dass Babys von Freunden wenig mit ihnen zu tun haben. Aber das ist kein Maß, woran man sich messen kann. Das eigene Kind ist ein verlängertes Stück deines Selbst und das ist etwas ganz Anderes. In diesem Sinne sind die praktischen Beschwerden sehr relativ. Etwas für dein Kind aufzugeben, fühlt sich nicht wie etwas Altruistisches oder wie Aufopferung an. Eher fühlt es sich so an, als ob du für dich selber etwas tust, gerade weil das Kind ein Teil von dir ist. Trau dichWer eine gute Partnerschaft hat, in einigermaßen guten Verhältnissen lebt und auf die Dreißig zugeht, traut sich besser mal. Es ist eine Frage des Sprungs ins Unbekannte zu wagen und den Vorteil vor den Zweifel zu stellen. Es kann doch nicht allein eine rationelle Entscheidung sein. Dann will ich eben ein Kind, weil ich jetzt Dreißig geworden bin? ‘Du musst es fühlen, dass du ein Kind willst. Ich nenne das den Fortpflanzungsdrang. Manche spüren ihn ganz stark, andere viel weniger. Jene warten dann so lang, bis es zu spät ist. Ab Dreißig geht die Fruchtbarkeit der Frau in großen Schritten zurück. Die Eizellen veralten und werden laufend weniger. Davon merkst man selbst nichts. Die Menstruation bleibt ja. Daher zeigen sich viele Frauen unbesorgt, um dann am 37sten Geburtstag, wenn sie sich reif genug dazu fühlen, festzustellen,dass es ganz schön schwierig ist, schwanger zu werden. Natürlich gibt es Alternativen. Ärzte zaubern heutzutage mit unterschiedlichen, fortschrittlichen Fruchtbarkeitsbehandlungen wie IVF. Ich denke doch, dass damit viel zu unachtsam umgegangen wird. ‘Wenn es nicht klappt, dann lässt du dir doch eine IVF machen?’ Dabei wiegen die Belastungen auf der körperlichen und auf der emotionalen Ebene für eine Frau zentnerschwer. Abgesehen davon ist die Erfolgsrate weitaus geringer als man es wahrhaben will. So wird viel Leid verursacht. Die Kombination von Arbeit und Leben mit Kindern ist für Viele doch nicht zu schaffen?‘Das stimmt umso mehr als meistens beide Elternteile außer Haus arbeiten müssen. In vielen Betrieben herrscht außerdem noch Machomentalität, die Schwangerschaften ziemlich im Wege steht. Und doch ist das relativ. Der wichtigste Grund, warum ich den Unentschlossenen anrate, sich doch für die Elternschaft zu entscheiden ist, dass sie sich so viel Leid ersparen. Denn die meisten Zweifelnden ändern später doch ihre Meinung. Menschen die jahrelang ‘jetzt noch nicht’, oder selbst ‘niemals’ sagen, bekommen um die Vierzig lebensphasenbestimmt doch noch Lust dazu. Ein Mensch verändert sich. Wenn du Vierzig bist, dann haben meistens deine Freunde Kinder und du führst bereits ein weniger brausendes Leben. Todesfälle haben auch Einfluss auf die Entscheidungen. Wenn man z. B. die Eltern verliert, ändert sich plötzlich die Sichtweise. Auf einmal wird einem bewusst, dass man alleine übrig bleibt. Wenn du gerade am Beginn deiner Karriere stehst und so sehr mit deinem jungen Leben beschäftigst bist, kannst du dir das kaum vorstellen. Aber einmal kommt der Moment, in dem du merkst, dass die Karriere nicht alles ist und dass du genausogut einen anderen Beruf ausüben kannst, der einfacher mit Kinder zu kombinieren ist. Ich kann dir versichern, dass Menschen, die karrierebestimmt oder durch stete Unentschlossenheit zu lange gewartet haben, daher dann kein Kind mehr bekommen können, abgrundtief traurig sind. Sie geben denen, die sicher und gesund schwanger werden wollen, Ratschläge und erklären Vorsorgemaßnahmen. Das scheint ja ein echter Job zu sein.‘Sicher doch. Verantwortlich schwanger zu werden ist immer noch ein frohes Ereignis. Wir leben nun in einer immer unnatürlicheren Umgebung. In den letzten Jahren verstärkte sich die Einsicht über schädliche Einflüsse wie das Rauchen. Den Erkenntnissen über unterstützende Maßnahmen und die positive Seite von manchen Substanzen wie z. B. Folsäure wurde mehr Beachtung geschenkt. Menschen stecken sehr viel Geld in Kinderkleidung und dergleichen, sobald ein Kind da ist. Warum macht man sich dann nicht auch ein wenig Mühe, um seinen Lebensstil etwas anzupassen, damit die Chance auf ein gesundes Kind erhöht wird? Dann kann man sich auch nichts mehr vorwerfen.\' Die Mutter allen Zweifels, Teil 1
Schwanger werden, Handbuch von M. Croon
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