Hormongabe nützt auch bei AkneSie sind wie ungebetene Gäste, denn die kommen gerade dann, wenn man sie am meisten entbehren kann.Just zu dem Zeitpunkt, in dem man sich für das andere Geschlecht zu interessieren beginnt und sich natürlich von seiner besten Seite präsentieren will, sprießen sie, die rötlichen Plagegeister mit dem weißen, eitrigen Gupf. Die so genannten "Wimmerln", in der Fachsprache Komedonen (lat. comedere = mitessen), sind jedoch nicht nur eine Geißel der Jugend. "Gerade bei Frauen wird vergessen, dass es sich nicht nur um ein Problem der jungen Jahre handelt, sondern auch um eines der Postmenopause," meint Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, Leiterin der Hautabteilung am Wiener Donauspital.Dem Pickel ist jedoch niemand machtlos ausgeliefert. Egal, welche der vielfältigen Auslöser (Medikamente, Hormonschwankungen, Vererbung, Stress, etc.) sie verursacht haben mögen, gibt es mehrere Ansatzmöglichkeiten. Nicht immer zeigt sich der Erfolg sofort - gerade hier ist Geduld eine besondere Tugend. In leichten Fällen genügen einfache Maßnahmen, in schweren Fällen eindringliche Behandlung. Bei bestimmten Bedingungen empfiehlt einer der es wissen muss Hormongaben in niedriger Dosis: Prof. DDr. Johannes Huber, Leiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie am AKH Wien, wird als Hormonpapst bezeichnet und dies nicht nur wegen seines abgeschlossenen Theologiestudiums. Es sei ihm positiv aufgefallen, so Huber, dass vor allem die französischen Ärzte neben der Gesundheit zusätzlich kosmetische Aspekte im Auge hätten. Natürlich steht die Gesundheit an erster Stelle, doch warum nicht auch etwas für das seelische Wohlbefinden der Patientin tun? Die heilsame dermatologische Wirkung vieler Hormone ist ja schon lange bekannt. Geeignete Verhütungsmittel (Kontrazeptiva) werden daher bereits seit zwei Jahrzehnten auch gegen Akne eingesetzt. Leichte Pille gegen AkneDie Behandlung der Akne ist mit einer sicheren Verhütung durchaus in Einklang zu bringen, selbst bei niedrigen Hormondosen. Denn Frauen produzieren in geringen Mengen desgleichen männliche Hormone. Diese stimulieren die Aktivität der Talgdrüsen und fördern die Komedonenbildung. Die passenden Gegenspieler dazu sind Östrogene. Es ist daher schlüssig diese Antiandrogene bei Akne und Hirsutismus (verstärkte weibliche Behaarung) zu verwenden. Daher kann die Gabe einer schwangerschaftsverhütenden Minipille bei der androgenabhängigen Akne ebenso punkten. Studien zeigen, so Huber, dass besonders bei der Behandlung von milder und moderater Akne die Vorteile der Minipille sich deutlich stärker zeigten als in der Plazebogruppe. „Dies ist besonders beachtenswert, da der Plazeboeffekt in dermatologischen Aknestudien besonders wichtig ist. Denn schon die erhöhte Hautpflege und regelmäßige Arztbesuche wirken sich äußerst effektiv aus. Weltweit gab es bislang nur drei Studien, die diesen Effekt mit einbezogen und somit wirklich glaubhaft sind.“ Die Handhabe der Minipille ist genauso einfach wie andere Verhütungsmittel (Kontrazeptiva) auch, mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen und Nebenwirkungen und einer beruhigenden Sicherheit (Pearlindex: 0,88). Erfreulicher Nachsatz: Auch das Körpergewicht wird bei der Einnahme der Leichtpille geschont. Eines muss allerdings immer wieder betont werden. Gegen die Mitesser gibt es mehrere Mittel. Nur eines sollte man nie tun - sie ausdrücken, denn jedes aggressive Vorgehen bewirkt eine verstärkte Verhornung der Haut, was wiederum die Talgausscheidung noch stärker behindert. Raoul Mazhar |