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Wochenbettdepression: Erkennen - Behandeln - Vorbeugen

Katharina Dalton. Verlag Hans Huber Bern / Göttingen / Toronto / Seattle 2003. 243 Seiten, ISBN 3-456-83930-8, EUR 24.95 (D)

Der Titel des Buches ist etwas irreführend. Passender wäre "Psychische Störungen nach der Geburt", da es nicht nur um Depressionen, sondern um alle diesbezüglichen Probleme geht, von den Heultagen bis zur Psychose. Alle Erscheinungsbilder sind genau mit ihren Symptomen beschrieben, auch das Thema Kindstötung wird angesprochen.

Der Ansatz der Autorin mit jahrelanger Erfahrung in diesem Bereich ist sehr interessant. Alle psychischen, aber auch verschiedene körperliche Probleme nach der Geburt werden auf eine hormonelle Komponente, nämlich einen postpartalen Progesteronmangel zurückführt - dies wird auch genau erklärt. Damit verwandt sei das Prämenstruelle Syndrom, das durch einen zyklusabhängigen Progesteronmangel verursacht sei. Eine Frau mit diesen Problemen gehört daher nach Ansicht der Autorin nicht psychiatrisch sondern endokrinologisch behandelt. Entsprechend ist auch ihr Therapievorschlag: Progesteron-Gaben statt Psychopharmaka, in Risikofällen bereits eine sofort nach der Geburt einsetzende Progesteron-Prophylaxe. Als weitere wichtige Therapiemöglichkeiten empfiehlt sie Stressprophylaxe und die Drei-Stunden-Kohlenhydratdiät: Kleine Mengen kohlenhydrathaltiger Lebensmittel alle drei Stunden halten den Blutzuckerspiegel stabil. Dies hilft dem Körper, das zur Verfügung stehende Progesteron optimal auszunutzen.

Es finden sich drei Erfahrungsberichte und viele, teilweise sehr berührende Zitate von Frauen. Angaben zu den Frauen sind oft im Stil der Regenbogenpresse gehalten (Jane ist eine intelligente, aktive Kindergärtnerin Mitte Dreißig...), was mir persönlich nicht so gefällt. Sehr einprägsam finde ich die Kästchen mit Merksätzen; auch der kleine Ausflug in die Tierwelt ist interessant. Entsprechend ihrer Rolle im britischen Gesundheitssystem kommen im Text auch häufig Hebammen vor. Einige der Angaben zur Geburtshilfe sind jedoch schlichtweg falsch - oder werden Unterbauchmuskeln durch Stillen trainiert?

Das Buch richtet sich auch an Betroffene und ist daher leicht lesbar. Für Fachleute ist zu bedauern, dass keine Quellenangaben vorhanden sind und so die zahlreichen von der Autorin zitierten Studien nicht nachverfolgt werden können. Bei den nützlichen Adressen und Selbsthilfegruppen sind leider nur Angaben zu Deutschland, aber keine zu Österreich und der Schweiz vorhanden.

Trotz der genannten Kritikpunkte ist es ein interessantes Buch über eine interessante Theorie, das zur Enttabuisierung der psychischen Probleme um die Geburt einen wichtigen Beitrag leistet.

Claudia Oblasser, ÖHZ 5/03 

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