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Verhütungsmethoden und der Pearl-Index

Kann die Wirksamkeit von Verhütungspraktiken gemessen werden?

Für einen Großteil der modernen Frauen gehört der Griff in das Pillendöschen trotz strotzender Gesundheit zur täglichen Routine. Die Verhütung ist der medizinische Dauerbrenner, der die Frauen von der Pubertät bis zum Wechsel begleitet.

Forschungen der letzten Jahre brachten immer variantenreichere Verhütungsmöglichkeiten. Doch egal ob hormonell oder mechanisch verhütet wird. Ein Begriff spielt neben der Verträglichkeit eine zentrale Rolle: der Pearl-Index (PI). Geprägt wurde der Begriff von dem amerikanischen Biologen Raymond Pearl (1879 – 1940). Der PI wird als Messinstrument zur Beurteilung von Verhütungsmethoden eingesetzt.

Die Berechnung

Die Formel lautet  V x 1200/A (V = Versager, das sind eingetretene Schwangerschaften trotz fachgerechter Anwendung; A = Anzahl der Anwendungsmonate, ausgegangen wird von 1200 Monaten). Eigentlich geht es simpel darum, wie viele von 100 Frauen innerhalb eines Jahres schwanger werden, wenn sie eine bestimmte Verhütungsmethode anwenden. Dies bedeutet somit je höher die Zahl, umso unzuverlässiger der Schutz.
So wird der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit einem Pearl-Index zwischen 80 und 90 festgesetzt. Betrachtet man in diesem Hinblick den Pearl-Index alternativer Verhütungspraktiken, wie beispielsweise die Kalendermethode nach Knaus-Ogino (PI=15 – 38) oder der Koitus Interruptus (PI=38), so muten diese wie Russisches Roulett an.

Hormonelle Kontrazeption

Die große Revolution auf dem Gebiet der Verhütung kam Anfang der 60iger Jahre mit der Markteinführung der Antibabypille. Waren die ersten Pillen im Vergleich zu den heutigen Leichtpillen zwar noch wahre "Hormonbomber", so läuteten sie trotzdem gesellschaftspolitisch eine neue Ära ein, welche die Stellung der Frau neu definierte. Die führende Stellung im Geschäft mit der Vereitelung ungewollter Schwangerschaften halten die Hormonpräparate weiterhin inne. Doch in der Zwischenzeit gestalten sich die Hormonmenge und deren Weg in den weiblichen Körper als sehr variantenreich.
Die häufigste Form ist wohl die orale Pille, wobei zwischen reinen Gestagenpräparaten (Minipille) und Östrogen-Gestagen-Mischpräparaten (Mikropille) unterschieden wird (PI=0,4-0,9). Die biologischen Wirkstoffe lassen sich aber auch als Depotpräparat mittels Spritze in den Oberarm verabreichen und bleiben dort für drei Monate aktiv (PI=0,3). In Österreich drängen nun zwei neue Präparate auf dem Markt, beide wirken ebenfalls auf hormoneller Basis.
Der Nuva-Ring ist ein dünner, geschmeidiger Kunststoffring, der in die Vagina eingeführt wird und dort über einen Zeitraum von drei Wochen kontinuierlich kleine Hormondosen abgibt.
Der letzte Schrei ist das Verhütungspflaster, welches wie die Pille Östrogen und Gestagen enthält. Das Pflaster wird drei Wochen hintereinander für jeweils eine Woche aufgeklebt, die vierte Woche ist dann pflasterfrei (PI=0,8).

Mechanische Verhütungsmethoden

Setzt ein Großteil der Pharmaindustrie vor allem auf die hormonelle Schiene, so gibt es dennoch auch mechanische Wege um ungewollte Graviditäten zu verhindern. Neben dem allbekannten Kondom (PI=3-28), haben sich das spermizid beschichtete Scheidendiaphragma (PI=2-6), die Portiokappe (PI=7)  und die Spirale (Intrauterinpessar, IUP, IUD; PI=  0,3-2,7) durchgesetzt. Portiokappen wurden eher im englisch-amerikanischen Raum verwendet. 
Die breite Spannweite im Pearl-Index mancher mechanischer Verhütungsmethoden ergibt sich durch Fehler in der Handhabung. Dabei spielt die Erfahrung eine bedeutende Rolle. Für erfahrene Frauen liegt der PI dementsprechend niedriger. Die Inaktivierung der Spermien nach dem Geschlechtsverkehr durch chemische Mittel in Form von  Salben, Vaginalzäpfchen, Gels, etc. gilt eher als exotische Maßnahme. Der Pearl-Index schwankt hier zwischen 3 und 7.

Die "Pille danach"

Die postkoitale Verhütung („die Pille danach“) ist keine Verhütung im eigentlichen Sinne, sondern eine Notmaßnahme bei nicht geschütztem Geschlechtsverkehr zu einem Zeitpunkt, an dem ein Eisprung stattgefunden haben könnte. Die "Pille danach" folgt dem Prinzip, die  Einnistung der befruchteten Eizelle zu verhindern, indem Hormone in hohen Dosen verabreicht werden. Dabei sind freilich unangenehme Nebenwirkungen wie erhöhte Blutungsgefahr in den Schleimhäuten, Übelkeit und Erbrechen zu befürchten.

Einziger Schutz gegen Geschlechtskrankheiten bleibt jedoch das Kondom

Verhütungsmethoden gibt es mittlerweile viele. Die Frau sollte sich zu jener Methode entscheiden, mit der sie am besten gut umgehen kann und sich gleichzeitig wohl fühlt. Ist dies gewährleistet, kommt die Sicherheit in den meisten Fällen praktisch automatisch.
Aber Achtung! Von all den diskutierten Praktiken bietet allein das Kondom ebenfalls Schutz vor Geschlechtskrankheiten. Und dazu gehört nicht nur das HIV, sondern auch "Klassiker" wie Syphilis, Hepatitis B/C und Gonorrhoe (Tripper), die gerade jetzt neuen Aufschwung erhalten.

Raoul Mazhar


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